Ermutigung · Leben als Christ · Umgang mit Niederlagen

Warum es sich lohnt zu bleiben…

Kennst du Situationen, wo du am liebsten weglaufen würdest? Situationen, die dich schier überfordern? Momente, wo du am liebsten den Kopf in den Sand stecken würdest? Wenn du wie ich unperfekt bist, hast du das bestimmt auch schon erlebt und ich möchte dich heute ermutigen zu bleiben!

img_0587Warum laufen wir weg? Naja, Flucht ist bekanntlich der einfachste Weg raus. Aber nicht immer der beste. Sicher, wenn echte Gefahr droht, dann fliehe! Lauf so schnell du kannst, renne um dein Leben! Aber ich glaube, manchmal müssen wir der inneren Rebellion widerstehen. Und bleiben. Uns dem Schmerz aussetzten. Der Scham. Der Peinlichkeit. Unserer Unvollkommenheit. Dem „ihr könnt mich alle mal“.

Warum? Weil wir daran wachsen. Wachsen tut weh, im wahrsten Sinne des Wortes, das sehe ich schon an meinen Kindern. Mama, mir tut das Bein weh. Mama, mir tun die Füße weh. Und zack passt die Hose, der Schuh nicht mehr. In der Schwangerschaft ebenso. Da ziept und zwickt es am Bauch, und so manch eine werdende Mutter hat gedacht: oh nein, da stimmt was nicht! Aber es sind nur Wachstumsschmerzen. Der Bauch dehnt sich, die Organe werden verschoben um dem neuen Leben Platz zu schaffen.

Die meisten von euch wissen, dass ich für kurze Zeit ein Café betrieben habe. Also so wirklich kurz. Gemeinsam mit meiner Kirche hatte ich ein spannendes Projekt gestartet:

Im Gebäudekomplex unserer Kirche wurde ein bisher vermieteter Raum plötzlich frei und der Wunsch nach mehr Platz, nach einem Café, kam auf. Ich und viele andere begannen zu träumen…und ich schrie laut „HIER“. Seit ca. 10 Jahren hatte ich ein fertiges Café-Konzept in der Schublade liegen & ziemlich schnell ging es los: Wände aufstemmen, neue Stromleitungen verlegen, Küche kaufen, Spendenkampagne umsetzen, Behördengänge, Bauanträge und so weiter und so fort. Es war eine heftige Zeit: plötzlich war ich Bauleiter – euphorisch und überfordert. Baubesprechungen abends um 22 Uhr, samstags Arbeitseinsätze mit Kind und Kegel. Café-Besichtigungstour in ganz Hamburg. Aber das Ziel war klar: wir eröffnen ein Café.

Vorgesehen war es so, dass ich die Pächterin des Cafés bin, die Kirche es aber außerhalb meiner Öffnungszeiten intern nutzt. Hand in Hand wollten wir gehen. Genialer Plan! Nur leider lief der Plan nicht so genial wie erhofft: in meinem Team gab es Probleme, der erhoffte & benötigte Kundenansturm blieb aus, teure Unfälle im Alltag. So glatt die Startphase lief – jetzt kamen die Einschläge.

Anfang Januar war die Eröffnungsfeier, Ende April schloss ich die Tore wieder.

Das finanzielle Risiko war von Anfang an kalkuliert: wir wussten, wir brauchen ein Wunder. Das Startkapital war gering und würde bei ausbleibendem Umsatz bis April reichen. Blauäugig – denkt der eine, mutig – denkt der andere.

Am Ende stand ich da: Konto leer, Liebestank leer, Fettpolster leer. Verletzt und missverstanden. Ich hab alles gegeben. So wirklich alles. Vielleicht auch zu viel. Und doch zu wenig? War ich mir selber treu geblieben? Wem hab ich was vorgemacht? Mir selber? Den anderen?

Das finanzielle Risiko war, wie gesagt kalkuliert, das emotionale nicht. Unstimmigkeiten, Verletzungen, böse Worte, gut gemeinte Ratschläge, Unfähigkeit, Hilflosigkeit… Wie trete ich vor meine Kirche, der ich Wochen vorher großmütig von unseren Plänen erzählt habe? Wie begegne ich sonntags den Menschen, mit denen ich mich nicht einig bin? Wer ist jetzt Freund, wer Feind?

„Geht ihr jetzt?“ War die erste Frage nach dem offiziellen aus. Nein. NEIN!!!

Ja, ich war verunsichert. Ja, ich war verletzt. Aber weglaufen? Nein, warum?! Meine Kirche ist wie meine Familie. Wenn ich zu meinem Bruder blöd war, meine Mutter (gefühlt) ungerecht war, dann laufe ich auch nicht für immer weg, oder? Ich habe Fehler gemacht, andere haben Fehler gemacht. Wir alle sind Menschen. Voller Fehler. Alle auf dem Weg. Alle mit einem Ziel. Und trotz unserer Fehler und Unstimmigkeiten wohnen wir unter einem Dach. Wir wachsen aneinander. Vergeben einander.

Sally von vor 15 Jahren wäre mit Sicherheit weggelaufen. Die Spannung – die hätte ich nicht ausgehalten. Aber heute weiß ich: manchmal müssen wir es aushalten, dass uns jemand blöd findet. Aushalten, dass wir selber Fehler machen, aushalten, dass andere Fehler machen (auch unsere Leiter dürfen Fehler machen), uns selber vergeben, anderen vergeben, das gute Behalten.

Ist es schön, sich seine Unzulänglichkeit einzugestehen? Absolut nicht. Fällt es schwer, anderen zu vergeben? Manchmal ja. Wollen wir nicht alle perfekt sein? Ich denke schon.

Tat es weh zu bleiben? Absolut! War in meinem Kopf Gedankenkarussell? Total! Konnte ich Freund von Feind unterschieden? Überhaupt nicht! Stellte ich Entscheidungen meiner Leitung in Frage? Jawohl! Werde ich ihren Entscheidungen trotzdem künftig vertrauen? Absolut JA! Ist etwas Gutes aus dem Ganzen entstanden? Entschieden JA! Heute weiß ich: ich darf Fehler machen und werde nicht verstoßen. Ich bin geliebt – um meiner selbst willen – nicht weil ich großartiges leiste. Und das gilt genauso für dich!

Ich möchte dich ermutigen: laufe nicht weg! Stelle dich deinem Riesen! Es lohnt sich! Ich glaub´ an dich!

Von herzen dich ermutigend,

Sally

3 Kommentare zu „Warum es sich lohnt zu bleiben…

  1. Hallo Sally, über deinen Artikel auf Antschanas Blog habe ich dich gefunden. Wunderbar! Ich liebe deinen Blog, deine Gedanken, deine Art, dich mit dem Leben und Gott auseinanderzusetzen! Herzliche Grüße sende ich dir aus Ohio. (Ich hab Verwandtschaft ganz in deiner Nähe :-))

    1. Liebe Lilli, vielen Dank für deine lieben Worte 😍 Wie schön, dass du so weit weg und doch so nah bist – so zu sagen! Herzliche Grüße zurück 🙋

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