Ermutigung · Leben als Christ

Warum wir Geld lieben aber nicht davon abhängig sind

Als ich euch vor 2 Wochen von unserem neuen Camper berichtet habe, erwähnte ich, dass ich euch einen Bericht über Finanzen liefere. 

Seitdem war hier ehrlich gesagt etwas Land-Unter – ein Kind dauerkrank, und somit kein freier Vormittag für mich um irgendwelche Texte zu schreiben, Ware für den EtsyShop zu produzieren— wie das halt manchmal so ist 😉

Zwischendurch habe ich über das Thema Finanzen nachgedacht. 

Möchte ich wirklich darüber einen Text schreiben?

Interessiert es überhaupt jemanden, dass wir in dieser Hinsicht auch total unperfekt sind?

Macht es Sinn euch zu offenbaren, dass wir nicht den Schlüssel zu Reichtum gefunden haben?

Wir nicht den perfekten Plan zur Glückseligkeit haben?

Wir gerne mit vollen Händen ausgeben was wir haben?

Will ich wirklich offenlegen, dass wir voll nicht die Helden sind in Sachen Finanzen? 

Nun gut, jetzt sind wir ja praktisch schon mittendrin, nicht wahr? Und um Ehrlichkeit und Transparenz geht es ja letztendlich in einem, ja, in diesem Blog. 

Also los gehts.

Wie kommt es, dass wir uns so ein Auto leisten können? 

Ein Mercedes Marco Polo ist zugegebenermaßen nicht das günstigste Auto auf dem Markt. Aber irgendwie haben wir es geschafft, uns diesen Traum zu erfüllen. 

Als unser kleiner Zweitwagen anfing zu schwächeln, haben wir uns nochmal unsere Zahlen angeschaut. Denn es war klar: in absehbarer Zeit muss hier eine Veränderung her. Und wir entdeckten, dass es ja gar nicht soooo schlecht um uns bestellt ist, wie wir beide im Hinterkopf hatten – schließlich haben wir noch eine Summe aus der Café-Geschichte zu tilgen (mehr zum Café-Projekt findest du hier). Aber mit meinem neuen Minijob plus dem Wegfall der Kita-Gebühren in Niedersachsen stand monatlich plötzlich eine Summe auf der Einnahmen-Seite zur Verfügung, den wir so nicht auf´m Plan hatten.

Nun arbeitet mein Mann in einem großen Unternehmen, welches irgendwie zu Daimler, sprich Mercedes gehört, und somit bekommen wir als Firmenangehörige einen satten Rabatt auf jenes Traum-Auto. Ergo: informiert, kalkuliert, Probe-Wochenende in einem Marco Polo verbracht, für gut befunden, nochmal alles durchgerechnet und: Bestellt! 

Und nun ist er da und wir freuen uns wie Bolle auf die nahende Frühjahrs- & Sommersaison!

Wenn es um Finanzen geht so sind wir eher großzügig und verschwenderisch als Sparsam. Wir mögen gutes Essen, vernünftige Kleidung. Wo es geht achte ich darauf, dass es Fair zugeht: in bestimmten Läden kaufe ich grundsätzlich nicht ein. Denn: Ein T-Shirt, ein Set Bettwäsche o.ä. kann einfach nicht zu einem solchen Preis hergestellt werden; Fleisch kaufe ich beim Schlachter meines Vertrauens, Obst und Gemüse nach Möglichkeit lokal hier aus dem Alten Land.

Ebenso mögen wir es anderen gegenüber großzügig zu sein und geben gerne wenn wir eine Not sehen. Im Restaurant gebe ich großzügig Trinkgeld, wir verschenken gerne auch mal Sachen, haben kein großes Vermögen auf dem Sparbuch. Dafür jede Menge Schätze im Himmel und gutes Werkzeug und gute Maschinen im Haus 😉 

Wir haben uns bisher kein Haus finanziert sondern wohnen „nur“ zur Miete. Eine Anschaffung wie meine Nähmaschine oder eine neues Laptop (auf dem ich gerade schreibe) kaufen wir Cash. Lediglich bei Autos nehmen wir einen Kredit auf.

Schon häufiger wurde es bei uns natürlich auch mal eng. 

Wir sind nicht die Helden, die mehrmals die Woche die Ausgaben summieren und stets alles im Blick haben.

Aber wenn es dann mal knapp wurde – so richtig mit Schnappatmung –  dann kam auf wundersame Weise eine unerwartete Zahlung von Mister S.´s Arbeitgeber oder sonst wo her. 

Andersherum aber dann auch: wir freuen uns über eine extra Einnahme, wollen endlich mal so richtig viel auf´s Sparbuch überweisen um dem Traum vom Eigenheim näher zu kommen. Und Zack! Irgendwas geht kaputt was umgehend repariert oder ersetzt werden muss. 

Aber: anstatt zu murren, dass das Geld schon wieder futsch ist, sind wir Dankbar, weil die unerwartete Ausgabe gedeckt werden konnte. Das Geld war genau zur rechten Zeit verfügbar. 

Wir lieben Geld, aber unser Herz hängt nicht daran. 

Wir glauben, dass wir gesegnet sind um ein Segen zu sein. Ebenso glauben wir, dass die Zusagen Gottes aus der Bibel wahr sind und vertrauen darauf, dass wir versorgt werden.

Wir tun unser möglichstes – Gott tut das Unmögliche.

Wie man Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellt und sich einen Überblick über seine Finanzen schafft ist zum Glück eine einfache Rechnung.

Ganz oben auf unserer Ausgaben-Liste steht: unsere Spende an unsere Kirche. 

Wir sind Mitglied in einer sogenannten Freikirche. Frei im Sinne von: die Kirche finanziert sich durch Spenden, nicht durch Kirchensteuern wie die „normalen“ Landeskirchen. 

Ein bestimmter Prozentsatz unserer Einnahmen fließt als allererstes zu Anfang des Monats als Spende ab. 

Mein Haushaltsgeld ist kalkuliert und mir steht monatlich eine bestimmte Summe zur Verfügung welches ich Bar abhole und auf die einzelnen Wochen verteile. Wenn ich anfange, alles mit Karte  zu bezahlen, verliere ich schnell den Überblick. So habe ich für jede Woche des Monats einen Umschlag mit Haushaltsgeld und was übrig bleibt, wird beiseite gelegt. 

Ebenso habe ich die jährlichen Kosten kalkuliert: alle Jahresbeiträge, Autoversicherung, KFZ-Steuer, GEZ-Gebühren usw. 

Alle Jahres-Summen addiere ich, teile die Summe durch 12 Monate und überweise monatlich die entsprechende Summe auf ein separates Sparbuch. So können uns keine Rechnungen überraschen. Sobald z.B. die KFZ-Steuer abgebucht wird, hole ich das Geld vom Sparbuch zurück auf´s Girokonto und schon reist es uns kein Loch ins Budget nur weil ich vergessen habe, dass es abgebucht wird. 

Zu Anfang war es sicher ein bisschen Arbeit, alle Summen zu notieren: Kontoauszüge durchforsten und alles entsprechend in Listen einzutragen. Aber die Mühe lohnt sich wirklich! 

Wie schon erwähnt arbeite ich nur auf Minijob-Basis. Ergo bin ich an 2 Vormittagen die Woche außer Haus zum Arbeiten, drei Vormittage stehen mir (theoretisch) für die Betreuung von unserem kleinen Etsy-Shop zur Verfügung – die Verwaltung ebenso wie das Herstellen von genähten Schätzen.

Sicherlich wäre es ertragreicher, wenn ich als Angestellte mehr Stunden arbeiten würde. Wir könnten dann schneller den Café-Kredit tilgen, mehr sparen um ein Haus zu kaufen, mehr dies, mehr das…

Aaaaaaaber

Das wollen wir gar nicht. 

Da sind wir uns einig. Wir wollen flexibel bleiben.

Also, natürlich wäre es schön das alles. Aber wir verzichten freiwillig. 

Unsere Kinder sind uns wichtiger. Die Mini´s hier im Haus sind 5 und 8 Jahre alt und uns ist es einfach wichtig, dass die Große täglich direkt von der Schule nachhause kommen kann, dass dann jemand da ist, und sie NICHT in den Hort muss. Ebenso ist es uns wichtig, dass die Kleine nicht mehr Zeit im Kindergarten als zu Hause verbringt. 

Miss S wird also spätestens um 13 Uhr abgeholt und wir drei Ladies essen gemeinsam zu mittag, machen eine kleine Mittagspause, bevor es an die Hausaufgaben und/oder Freizeitaktivitäten geht.

Ja, wir verzichten zugunsten unserer Kinder auf Gehalt. Ich selber war als Kind ein Schlüsselkind, war viel alleine. Bei meinem Mann war es genau umgekehrt – seine Mama war auch zuhause, und so haben wir uns für diesen Weg entschieden und freuen uns über das Vorrecht, dass es uns finanziell möglich ist.

Geld macht mich nicht glücklich, es erleichtert nur einiges. Ich brauche nicht die hippsten Klamotten, meine Winterstiefel sind 5 Jahre alt, das Spielzeug der Kinder darf auch secondhand gekauft werden.  Mir ist bewusst, dass wir dennoch ein privilegiertes Leben führen. Wieviele Familien können heutzutage vom Gehalt des Mannes leben? Wieviele Alleinerziehende kämpfen darum, den Alltag zu meistern und sorgen sich darum, wie weit das nächste Gehalt reicht?

Wo ich kann bin ich großzügig. Großzügig mit meiner Zeit, großzügig mit meiner Spende… Kleidung der Kinder wird gerne an eine bedürftige Mama verschenkt, ich backe auch mal selber eine Woche lang Brot anstatt zum Bäcker zu gehen, um großzügiger für Indien zu spenden. Gebe einer Studentin in Not, auch wenn mein Konto grad schlecht aussieht. Warum? Weil ich kann! Weil es nicht weh tut. Weil es glücklich macht. Natürlich heisst das nicht, dass wir als Christen in Armut leben sollen. Wir müssen nicht alles geben.

Wir dürfen.

Dürfen geben.

Entsprechend unseren Verhältnissen.

Dürfen unser Herz bewegen lassen.

Dürfen mitfühlen.

Dürfen opfern.

Dürfen uns was gönnen.

Dürfen gut leben.

Ich liebe schöne Dinge. Ich mag Shopping. Aber es definiert mich nicht. Ich brauche es nicht. Ich bin frei und darf Geld als Partner ansehen.

Wie du siehst ist das total locker bei uns. Wie ist das bei dir? Hast du irgendwelche tollen Finanzstrategien und Geheimnisse, die du mit mir teilen möchtest? Brauchst du Unterstützung und sagst, ja bitte, zeige mir doch mal deine Listen / Aufstellungen? Ich freue mich von dir zu hören!

Sonnige Grüße,

Deine

Sally

2 Kommentare zu „Warum wir Geld lieben aber nicht davon abhängig sind

  1. Find ich richtig gut deinen Beitrag über Geld. Wenn du in einer Freikirche bist, zahlst du dann keine Kirchensteuer, oder?

    1. Hallo Conny, vielen Dank für dein Feedback!
      Richtig – Kirchensteuer gibt’s bei uns nicht. Freikirchen leben von Spenden, da ist der Begriff „Zehnter“ gängig. D.h. man spendet 10% von seinem Einkommen.

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