Ermutigung · Leben als Christ · Mama-Sein

Zerbrochene Herzen werden geheilt // Wie ich nach 3 Fehlgeburten Frieden gefunden habe

Ich glaube, dass es vielen Frauen wie mir geht oder ergangen ist. Das Ding ist nur, dass man „darüber nicht spricht“. Aus meiner Sicht ist es an der Zeit, dieses Schweigen zu brechen. Denn, du Liebe, du bist nicht allein. Und es gibt Heilung für zerbrochene Herzen. Trost für die, die Trauern. Verständnis für die, die still leiden.

Bevor ich mit Miss H. schwanger wurde, war ich schon drei Mal schwanger. Ich war praktisch dauer-schwanger.

Als wir einige Zeit nach unserer Hochzeit beschlossen, dass ich die Pille absetze, wurde ich sofort schwanger. Ich spürte förmlich die Befruchtung in mir und mein Körper strotzte sofort vor Reaktion auf das ß-HCG. Noch bevor ich einen Schwangerschaftstest gemacht hatte wusste ich: ich bin schwanger. Der Test war nur eine weitere Bestätigung. 

Kaum war die Gewissheit da, verließ uns auch schon wieder das Glück. Ich bekam heftige Unterleib- und Rückenschmerzen und verlor im Bad, auf der Toilette, in einem großen Schwall Blut, unser Würmchen.

Ein Besuch im Krankenhaus brachte Bestätigung. Kein Leben mehr in mir. Dafür blöde Blicke beim Kontrolltermin in der Frauenarztpraxis. Die Arzthelferin dachte fälschlicherweise, ich hätte einen Abbruch MACHEN lassen, und guckte mich böse und verständnislos an. Danke auch.

Ich war tief traurig und verstand die Welt nicht mehr. Warum passiert das? Hab ich was falsch gemacht? Gott, ich denk´ du bist ein Gott des Lebens? Warum lässt du das zu? 

Es dauerte jedoch nicht lange, und ich wurde wieder schwanger. Meine Frauenärztin war im Urlaub und so bekam ich Zeitnah einen Termin bei einer Vertretungsärztin. Der Ultraschall zeigt freudiges: mit ziemlicher Gewissheit Zwillinge, aber scheinbar sei die Schwangerschaft noch so früh, sie konnte den Herzschlag nicht sehen und schickte mich sicherheitshalber weiter ins Krankenhaus. Dort wurde ich mit Gelb-Irgendwas-Hormonen und guten Wünschen versorgt, in der Hoffnung, die Schwangerschaft zu stabilisieren. Aber auch diesmal kein Glück. 

Als wenige Monate später der Schwangerschaftstest zum dritten Mal positiv war, beorderte eine befreundete, angehende Frauenärztin mich zu sich ins Krankenhaus auf die Station. Hier war das Ergebnis: verdacht auf Blasenmole, es muss eine Ausschabung gemacht werden. Puh. So langsam hatte ich wirklich keine Lust mehr auf das Projekt Familie gründen. 

Mein Mann war in allem tapfer an meiner Seite. War Sprachlos, verwirrt von dem ständigen Schwanger – nicht schwanger. Begleitete mich zur Ausschabung ins Krankenhaus und hielt mein stilles Leiden aus. 

Wir wohnten nur 500 Meter vom Krankenhaus entfernt und so war ich überzeugt – weil von Geburt an ein Dickkopf – wir können nach dem Eingriff zu Fuß nach Hause. Geht schon. Ging aber nicht. Sturzblutung. Mitten auf der Straße. Also Frau auf nen Poller zwischengeparkt, Auto samt ne Ladung Handtücher geholt, Frau wieder eingesammelt und Heim gebracht. 

Dort eröffnete ich ihm, dass ich jetzt genug habe vom Schwanger sein und nicht-schwanger sein. Meinetwegen können wir es auch lassen, das Kinderkriegen. Auf mich warteten Untersuchungen, die der Prof aus dem Krankenhaus vornehmen wollte – es müsse ja einen medizinischen Grund für die ganzen Fehlgeburten geben. Nein, ich hatte definitiv genug. 

Und dort, an der Bettkante, so verletzt und traurig wir beide waren, gestand er mir unter Tränen: jetzt möchte er noch viel viel mehr Vater werden. Diese vergangene Zeit habe in ihm noch viel mehr den Wunsch geweckt, ein Baby – unser Baby – in den Armen zu halten. 

Ich hatte zu der Zeit unglaublich tolle Kollegen und Vorgesetzte die mich aufgefangen und Rücksicht genommen haben. Mir wurde nahe gelegt, den verlorenen Kindern Namen zu geben, um besser damit abschließen zu können. 

Aber wie sollte ich Namen aussuchen, wenn ich nicht mal das Geschlecht wüsste?

Ich sprach mit meinem Mann darüber, und irgendwie fand diese Idee bei keinem von uns Anklang. 

Aus Ärztlicher Sicht wurde uns Nahe gelegt, erst Mal Untersuchungen vorzunehmen und mit dem Versuch, schwanger zu werden, zu warten. Verhütung müsse nicht unbedingt sein, der Körper wird wohl von alleine einen „auf Pause“ machen. 

Aber nix da. Mein Körper brauchte keine Pause. Der war auf Baby und Schwanger sein eingestellt. Zack. Schwanger. Mit dem vierten, positiven Schwangerschaftstest war da auch wieder diese Angst. 

Angst, dass es wieder passiert. Angst, was falsch zu machen. Angst. Einfach Angst. 

Eines Nachts hatte meinen Mann einen Traum. 

Einen ähnlichen hatte er in einer der anderen Schwangerschaften auch gehabt: er sah damals ein Weidenkörbchen, wo eine Decke drin lag, aber das Körbchen war leer.

Auch ich erinnerte mich: in der ersten Schwangerschaft, morgens auf dem Weg ins Büro, schoss mir ganz kurz schoss der Gedanke durch den Kopf: du wirst es verlieren. Und alles in mir schrie: Neeeeeeiiiiinnnn!!!!! 

Aber dieses Mal, im zweiten Traum: in dem Weidenkörbchen lag ein Baby und schlummerte friedlich, und das Baby hieß Miss H. Von dieser Nacht an war er absolut sicher – felsenfest davon überzeugt und voller Glauben: diese Schwangerschaft geht gut aus! Und das Baby hatte auch schon einen Namen – den ich zufälligerweise (oder sollte ich sagen glücklicherweise) gut fand  😉

Ich hatte eine wunderschöne Schwangerschaft, sah prächtig aus, freute mich, wir schmiedeten Pläne, richteten das Kinderzimmer ein. Sobald in mir Angst hoch kroch, lief ich zu meinem Mann und er segnete mich und das Baby.

Und so lief alles erstmal wie es sollte.

Äußerlich.

Innerlich war immer noch eine tiefe Wunde. Beten – also sprechen mit Gott – konnte ich nicht.Ich hatte Ihm nichts zu sagen. War sauer. Enttäuscht. Traurig. Funkstille. 

Alles war uns geschieht MUSS uns zum Guten mitwirken. Oh, wie oft wurde mir dieser Bibelvers von lieben Menschen zitiert. Und oh wie konnte ich ihn nicht mehr hören!

Fast Forward.

Als unsere Miss H. circa ein Jahr alt war hatte ich eines Nachts einen Traum. Der alles-verändernde Traum. 

Die Fehlgeburten waren in mir immer noch präsent – ich hatte noch nicht abgeschlossen. 

Wie denn auch? Wie geht man damit um? Niemand hatte mich auf die Möglichkeit einer Fehlgeburt vorbereitet. Das passiert mal. Das ist der und der auch passiert. Und ach, es war ja immer sehr früh gewesen. Eine Totgeburt wäre ja viel schlimmer gewesen. Und dennoch. 

In meinem Traum war ich zu Fuß auf einer Straße unterwegs. Im Entenmarsch hinter mir waren 3 blonde Mädchen – altersmäßig offensichtlich ziemlich dicht beieinander. Sie fragten mich: Mama, wo gehen wir hin? Ich schaute die drei an – eine schöner als die andere – und grübelte: wer ist denn wer? Ich weiß eure Namen nicht mehr! 

Aber mein Auftrag im Traum war klar: ich sollte sie zu einem bestimmten Haus bringen, dort hat ein äußerst liebevoller und gütiger Mann sie in Empfang genommen. Ende.

Den ganzen Tag grübelte ich über diesen Traum nach. Wollte mit jemanden darüber sprechen, aber es ergab sich keine passende Gelegenheit. 

Abends, Zuhause, als Miss H. selig schlief fiel es mir dann endlich wie Schuppen von den Augen: ich habe die Kinder zu Jesus in den Himmel gebracht. Schluchzend, heulend, saß ich auf dem kalten Fliesenboden und sagte zu meinen nicht geborenen Kindern: wir sehen uns im Himmel, ihr süßen! Dort seid ihr gut aufgehoben! 

Ich sprach endlich wieder mit Gott. Bat um Vergebung dass ich mein Herz verschlossen hatte. Wollte ihm wieder vertrauen. Wollte ihm die Kinder anvertrauen um im hier und jetzt zu leben.

Denn wer bin ich, so dachte ich in dem Moment, ich kleiner Mensch, dass ich eine Sonderbehandlung einfordere? Was ist mit den ganzen anderen Frauen auf dieser Welt, die im Krieg oder unter anderen schlimmen Bedingungen ihre Kinder gebären, großziehen, ernähren so gut sie können, vergewaltigt werden. Verstümmelt werden. Ich schloss Frieden mit meinem Gott. Und habe von dem Moment an auch mit den Fehlgeburten abgeschlossen. Es ist keine Last, keine Trauer mehr da. Einfach weg. Von jetzt auf gleich. Pufffff.

Ob du nun, wie ich, an den Gott der Bibel glaubst oder auch nicht. Wenn so eine Geschichte auch dich betrifft oder du anderen, schweren Ballast aus der Vergangenheit mit dir herum schleppst, so will ich beten, dass du tief in deinem Herzen Heilung erfährst. So wie ich. Dass du Frieden findest. Innerlich zur Ruhe kommst. 

Es hinter dir lassen kannst. Im Jetzt leben kannst. Vertrauen kannst. 

Ich segne dich!

Deine Sally

6 Kommentare zu „Zerbrochene Herzen werden geheilt // Wie ich nach 3 Fehlgeburten Frieden gefunden habe

  1. Was für ein berührender, sensibler Text. Ich finde mich wieder, auch wenn es mir „nur“ einmal passiert ist. Gottes Segen für dich und deine Familie.

    1. Herzlichen Dank für deine Rückmeldung! Tut mir sehr leid, dass du das auch erleben musstest 🙁 Auch dir viel Segen #prayingforyou

  2. Erst einmal mein Beileid zu euren Verlusten und danke das du darüber sprichst. Ja es wird zu wenig darüber gesprochen, tote Babies, unglückliche Schwangerschaften – darüber will niemand etwas hören oder lesen. Wahrscheinlich ist genau dies einer der Gründe warum man selber, wenn es einen das erste Mal trifft, nicht darauf „vorbereitet “ (als ob einen irgendwas auf diesen Schmerz vorbereiten kann). ist. Ich hoffe du verstehst was ich meine. Ich habe lange über meine erste Fehlgeburt geschwiegen und erst nach meiner zweiten (stillen) Geburt angefangen darüber zu reden. Es tat so gut mich mit anderen auszutauschen und die Welt an meinem Schmerz teilhaben zu lassen. Inzwischen bin ich Mutter einer 2 1/2 Jährigen Tochter und dennoch denke ich jeden Tag an ihre zwei Geschwister. Auf meinem Blog habe ich unter anderem einen Rubrik „Sternenkinder“ wo auch andere Sterneneltern Ihre Geschichte erzählen können. Ich hoffe somit einen kleinen Beitrag zum brechen dieses Tabuthemas leisten zu können. Vielleicht magst du dir die Seite ja mal anschauen und eventuell auch deine Geschichte erzählen?
    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute

    Liebe Grüße
    Mary

    https://marylouloves.com/

    1. Liebe Mary,
      wow, wie schön, dass du es auch thematisierst! Ja, ich verstehe was du meinst. Eigentlich kann nichts einen darauf vorbereiten und es fällt erstmal schwer, darüber zu sprechen. Aber alleine in seiner Angst, seinen Kummer zu bleiben, hilft auch nicht. Ich wünsche dir, dass du Heilung in deinem Herzen erlebst! Ich schaue gerne mal bei dir vorbei. Liebe Grüße zurück an dich,
      Sally

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